Rovaniemi 150 ist eines der härtesten Winterrennen der Welt. In drei Distanzen (66km, 150km und 300km) geht es in drei Disziplinen (Fatbike, Rennen, Langlauf) rund um die Stadt Rovaniemi. Mein Team-Kollege Georg und ich absolvierten die 66km auf dem Fatbike.

Die erste Frage, die ich stets bekommen habe, lautete: Wie kommt man auf so eine Idee?
Die Frage ist leicht beantwortet: Zufällig einen Artikel in einem Magazin gelesen, ein Abenteuer gewittert, Georg überzeugt und kurz vor Anmeldeschluss registriert.

Kaum angemeldet, ging es in die Vorbereitung, da die Temperaturen im Februar gut in die zweistelligen Minusgrade wandern konnten. Der eisige Januar kam uns da gerade gelegen. Regelmäßig ging es bei -2°C – -15°C aufs Rad, um verschiedene Kleiderkombinationen zu testen und Trainingsgrundlage zu schaffen.

Am 15. Februar flogen wir also von Zürich nach Rovaniemi, an den Polarkreis. Drei Tage Vorlauf waren ideal, um sich an die Temperaturen zu gewöhnen und das Leihbike zu testen. Man darf die dortigen Minusgrade nicht mit unseren vergleichen. Dort fühlen sich, ohne Wind, die Temperaturen nicht "sehr" kalt an. Die Kälte ist jedoch viel gefährlicher, da sich Auskühlung nicht direkt bemerkbar macht und sobald der Wind kommt: brrr!
 

Die Vorbesprechung zum Rennen war sehr deprimierend. Neben all' den Möglichkeiten disqualifiziert zu werden, erfuhren wir auch von einem Läufer, der wenige Tage zuvor sechs Zehen verloren hat; bei nur 6°C!
Mit diesem Gefühl der Unsicherheit entschieden wir uns dafür einen Rucksack mit Wechsellklamotten mitzunehmen, wo hingegen die Erstplatzierten ganz ohne Gepäck starteten.

Renntag

Unsere Nervosität lässt sich nicht in Worten beschreiben; die Ungewissheit nagte an uns. Gut gefrühstückt, ging es an dem wunderschönsten Tag unseres Aufenthalts, bei gefühlten -14°C an den Start. Der Startschuss viel und die leicht Bepackten flogen davon, über den zugefrohrenen Fluss.
 

Nach 10km verliesen wir den Fluss und fuhren in welligem Gelände weiter. Teilweise waren die Wege so eng, dass wir das Bike vor uns her schieben mussten. Fahren auf zugefrorenem Wasser dominierte unsere Strecke und wurde lediglich erneut von 10km Schneemobilstraße unterbrochen. Diese war recht fies, da sie Spurrillen hatte, die einen bei etwas falscher Richtung zum Sturz brachte. Das zehrte vor allem an mentaler Stärke.

Der Rückweg, natürlich über einen zugefrorenen Fluss, war wieder angenehmer, da uns ein leichter Rückenwind Gesellschaft leistete. Obwohl wir seit der Schneemobilpiste nicht eine Menschenseele mehr gesehen haben, konnten wir, kur vor Ziel, noch einen Fatbiker überholen.

Schlussendlich erreichten wir nach etwas mehr als 5 Stunden das Ziel und belegeten in unserem Ranking Platz 11 und 12. Für mich gab es zusäzlich einen Pokal, da ich unter den Frauen Platz 2 schaffte.

Allem in allem sind wir sehr zufrieden und zusätzlich noch glücklich alle Zehen behalten zu haben!
 

Strava Aktivität

Hier noch ein paar Feststellungen, die wir gewinnen konnten:

  • Die Füße sind am empfindlichsten und ohne wärmende Einlagen, wäre das Rennen nicht so angenehm verlaufen.
  • Fatbikefahren auf Schnee fühlt sich an, alsob sich jemand drangehängt hat.
  • Während dem Rennen habe ich über 1,5 Liter Wasser getrunken und hätte noch wesentlich mehr trinken können. Auch habe ich 1000ende Kalorien vertilgt.

 

Meine Kleidung am Renntag:

  • 260er Merino Shirt, eine Weste gegen den Wind und darüber eine dünne Softshelljacke
  • Softshellhose mit langer Merino-Unterhose
  • simple Mütze
  • Skihandschue
  • Wanderschuhe mit 800g Merino-Arktik-Socken, zusätzliche eine Wärmeeinlage

Die Kleidung war prima, am Oberkörper sehr dünn, was beim Stehen sofort bemerkbar wurde. Im Rucksack trug ich deshalb trockene Ersatzklamotten und eine leichte Daunenjacke mit mir. Die Rennleitung empfahl nicht nass zu werden; nach dem Rennen konnte ich meine Kleidung auswringen …


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