"Like a pro" war nicht nur das Motto unseres MTB-Guides, nein, es ist das Motto der gesamten Insel. Wer nach Madeira reisen möchte, um dort sportilichen Aktivitäten nachzugehen, sollte sich im Klaren darüber sein, dass die Insel nichts für Anfänger ist. Wer es dennoch wagt, wird ein wunderbares Wechselspiel der Natur erleben!

Während unseres einwöchigen Aufenthalts, erlebten wir Touren der unterschiedlichsten Art, im Folgenden zusammengefasst:

Die Insel ist klimatisch zweigeteilt: im Süden ist es wärmer und trockener, im Norden frischer und feuchter, was sich auch auf die Vegetation auswirkt. Madeira ist bekannt als "Blumeninsel", wobei ich weder schönere, noch übermäßig viele Blumen sehen konnte – vielleicht war es nicht die richtige Jahreszeit. Die Berge sind sehr steil und die Strände steinig und schroff. Durch die EU-Förderungen sind die Straßen in den letzten Jahren saniert worden, wodurch man innerhalb kürzester Zeit jeden Punkt der Insel erreichen kann. Unsere Unterkunft lag zwischen Flughafen und der Hauptstadt Funchal und war schon fast dekadent: Zu zehnt hatten wir eine kleine Villa mit Blick auf das Meer und die Hauptstadt.

1. Tag – Paul da Serra nach Jardim do Mar

Begleitet durch den Reiseveranstalter Albano Aktiv fuhren wir an unserem ersten Tourentag Richtung Nordwesten und starteten von dort zur Paul da Serra. Das Hochplateau ist wunderschön und erlaubt einen gigantischen Blick unter anderem auf die Nachbarinsel Porto Santo. Die Route führte uns durch abwechslungsreiche Landschaften bergauf und bergab. Gen Ende wurde es dann nochmals technisch und recht anspruchsvoll. Der Weg zog sich über einen ausgefurchten Kuhpfad, der auf einem ziemlich engen Bergkamm lag.
 

Nach dem tricky Kamm folgte ein wunderbarer Flowtrail, dem wir in gutem Tempo Richtung Meer folgten. Es kam noch ein Zwischenstück Levada, bevor es auf breiter Autostraße mit 70 Sachen nach Jardim do Mar ging.

2. Tag – Pico do Arieiro

Der Weg führte uns erst einmal einige Höhenmeter die Straße zum Pico do Arieiro hinauf. Das Positive daran war die wunderbare Aussicht, die wir beim Hinauffahren genossen.
 

Viele gut fahrbare, aber verblockte Trails folgten nun und zogen sich mit steilen Gegenanstiegen über welliges Gelände. Der schönste Teil der Tour war der angelegte Flowtrail, auf dem die World Enduro Series im kommenden Monat stattfinden werden … das war spaßig!

Ewig waren wir auf Trails unterwegs, bis es wieder einige Höhenmeter auf der Straße hinauf ging. So langsam wurden die Beine müder und ich kämpfte zudem mit Magenkrämpfen. Auf einem der unteren Stücke waren Schanzen angelegt, die leider ihren Tribut forderten: Ein Kollege stürzte unangenehm und landete teilweise auf dem Gesicht. Für ihn war die Tour damit zu Ende und ich begleitete ihn ins Krankenhaus. Gemeinsam fuhren wir mit dem Krankenwagen in einem Affentempo die Serpentinen entlang – Gurte werden überbewertet. Mit flauem Gefühl im Magen erreichten wir nach gefühlter Ewigkeit die Ambulanz des Krankenhauses in Funchal.

Ufff … dem Kollegen ging es glücklicherweise den Umständen entsprechend gut: nichts gebrochen, nichts verloren, nichts unheilbar. Der Aufenthalt in diesem Krankenhaus dagegen hinterließ bei uns beiden bleibende Spuren. Es lagen überall Menschen in fürchterlichem Zustand herum, die bei Bedarf einfach in der Gegend herum gestoßen wurden. Ein Mann schrie vor Schmerz, als ihm die Schuhe ausgezogen wurden und lag nach Stunden immernoch geparkt im Flur. Die Zustände waren einfach katastrophal, dafür fehlen mir die Worte … Es heißt dankbar sein um den Luxus, den wir in Deutschland genießen dürfen!

3. Tag – Inselrundfahrt per Auto

Aufgrund der Geschehnisse am Vortag unternahmen wir zu zweit eine Inselrundfahrt mit dem Auto. Wir umrundeten die Insel auf der Küstenstraße und genossen einen wunderbaren, sonnigen Tag. Viel mehr sagen Bilder, statt Worte:
 

4. Tag – Monte und die Wildnis

Hach, was wäre ein Urlaub ohne Abenteuer? Zu dritt starteten wir ohne Guide Richtung Funchal Hafen, um dort mit der Gondel auf den Berg Monte zu fahren. Weil wir gut organisiert waren, hatten wir zuvor per Mail angefragt, ob die Mitnahme von Rädern erlaubt sei, und eine positive Antwort erhalten. An der Station angekommen, ließ man uns dann doch nicht mitfahren, also ging es mit Muskelkraft die 700 Höhenmeter rauf auf den Monte.

Zuvor sind wir am Hafen entlang gerollt und haben uns das Städtchen etwas angesehen. So wirklich gefallen hat mir Funchal nicht, da es doch ziemlich überlaufen von Kreuzfahrt-Touristen ist und wenig Romantik aufweist. Auch auf dem Monte tummelte sich ein Bus nach dem anderen; vielleicht waren wir auch vom Norden am Vortag verwöhnt?!

Den Heimweg wollten wir über eine alte Fahrstraße antreten und kämpften uns bei 22-30% Steigungen den Berg hinauf.
 

Fast oben angekommen, machte uns der Erdrutsch/Waldbrand einen Strich durch die Rechnung: Fahrrad auf den Rücken und auf durch den Dschungel! Nach knapp einer Stunde Kampf durch das Unterholz, erreichten wir endlich wieder Zivilisation.

Belohnt wurden wir durch das letzte Stück, das uns auf einer unbefahrenen Straße durch einen wunderschönen Wald mit grandiosem Ausblick führte.

Herrlich, solche Abenteuer – davon zehrt man ewig!

5. Tag – Der Norden Madeiras

Dies war erneut eine geführte Tour, die uns in den Norden Madeiras zog. Entspannt bestritten wir die ersten Höhenmeter auf der Straße und erreichten eine traumhafte Levada. Die meiste Zeit befuhren wir wunderschöne Waldstraßen, die kleine, steile Rampen beinhalteten.

Spannend war der letzte Teil, bei dem rechts vom Pedal eine 400m hohe Steilküste abfiel. Kleine Treppen, die ursprünglich für Kühe angelegt waren, führten uns zum Meer – zum Ziel.
 

Der Zick-Zack-Weg auf dem Bild zeigt den Trail.

6. Tag – Rampen-Ralley

Während die meisten unserer Gruppe eine wunderbare Gipfel-Wanderung unternahmen, machten wir uns zu zweit auf den Weg, eine letzte Mountainbiketour zu unternehmen. Gleich zu Beginn schoss uns bei 25% Rampen das Laktat in die Beine; selten hatten wir so viele Höhenmeter in so kurzer Zeit gemacht.

So steil wie es bergauf ging, ging es auch bergab und unsere Bremsen liefen ziemlich heiß. Auf Madeira gibt es durch Import viele Eukalyptuswälder, deren Romantik wir beim Durchfahren durchfurchter Waldwege ein letztes Mal genießen durften.

Ätzend ist, wenn man sich nach einem langen Tag nochmals massig Höhenmeter auf der Straße bei glühender Hitze und steilen Rampen hochquälen darf. Doch so ist das beim Sporttreiben und umso zufriedener ist das Gefühl, das sich bei einer kühlen Cola am Pool einstellt.
 

Madeira ist eine wunderschöne, abwechslungsreiche Insel, deren Besuch sich lohnt. Die Vielfalt und auch Härte der Natur hat sich während unseres Aufenthalts, in vollem Maße gezeigt und viele von uns sind mit mehr Schrammen als erwartet heim gefahren. Dennoch haben wir alle die anspruchsvollen und flowigen Trails genossen, die uns quer durch die Insel geführt haben – like a pro!


zurück